EU-Gewinnerliste ist da: Diese Rohstoff-Aktien sind dabei

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Angesichts der geopolitischen und handelspolitischen Konflikte will sich Europa bei kritischen Rohstoffen unabhängiger von externen Lieferanten machen. Im Zentrum dieser Initiative steht der sogenannte Critical Raw Materials Act (CRMA), zu dem es nun erstmals handfeste Ergebnisse gibt – inklusive starker Kursschübe für die beteiligten Aktien.

Was ist der CRMA?

Doch zunächst für Sie zur Einordnung: Der CRMA wurde 2024 in Kraft gesetzt und soll maßgeblich dazu beitragen, die Versorgung Europas mit kritischen Rohstoffen zu sichern und nachhaltiger zu gestalten.

Zu diesen Rohstoffen zählen unter anderem Aluminium, Bauxit, Kobalt, Kupfer, Gallium, Germanium, Lithium, Grafit, Nickel, die Seltenen Erden, die Platingruppenmetalle sowie Titan und Wolfram. Jene Stoffe sind wichtig etwa für die Elektromobilität, Solar- und Windkraft, Elektronik, Mikrochips, Luft- und Raumfahrt, Medizin sowie nicht zuletzt militärische Geräte.

Konkret soll der CRMA sicherstellen, dass die EU nicht mehr als 65 % ihres Bedarfs an diesen Rohstoffen aus einem Drittland bezieht. Hierfür sollen die inländischen Minen- und Verarbeitungskapazitäten sowie die Recyclingquoten bis 2030 deutlich gesteigert werden.

In dem Kontext hatte die EU-Kommission einen Bewerbungsprozess gestartet, bei dem sich Unternehmen anmelden konnten, deren Projekte sich auf EU-Gebiet befinden und mindestens einen der kritischen Rohstoffe umfassen.

EU kürt 47 Rohstoff-Projekte als „strategisch“

Jetzt hat Brüssel die Sieger dieses Wettbewerbs bekannt gegeben. Insgesamt 47 von 170 eingereichten Anträgen wurden demnach bewilligt und diese Projekte nun offiziell als „strategisch“ eingestuft.

Die dahinterstehenden Unternehmen dürfen sich nun auf schnellere Genehmigungsverfahren und einen einfacheren Zugang zu Fördermitteln und Investitionen einstellen. So dürfen nationale und regionale Behörden diesen Unternehmen nun finanzielle Mittel aus dem Europäischen Entwicklungsfonds und dem Kohäsionsfonds bereitstellen. Zudem können die ausgewählten Firmen eine Sitzung der CRMA-Finanzierungsuntergruppe beantragen, an der verschiedene Förderbanken und private Institute teilnehmen, um die Finanzierung der jeweiligen Projekte zu optimieren.

Insgesamt erstrecken sich die ausgewählten Projekte auf 13 EU-Mitgliedsstaaten – darunter drei Projekte in Deutschland. 25 der Engagements beziehen sich auf die Förderung, 24 auf die Verarbeitung und 10 auf das Recycling, wobei einzelne Projekte mehrere dieser Bereiche abdecken können.

Welche großen Konzerne sind dabei?

Schauen wir uns nun einige konkrete Projekte an, denn tatsächlich wurden einige namhafte Rohstoff-Player von der EU bedacht, aber auch kleinere Unternehmen, deren Aktien nach Bekanntgabe entsprechend stark nach oben schossen.

Zu den wohl bekanntesten Akteuren zählt Anglo American. So wurde das Sakatti-Projekt in Finnland von der EU als „strategisch“ eingestuft. Der britische Rohstoff-Gigant will dort ab den frühen 2030er-Jahren große Mengen an Kupfer produzieren. Weiter geht es mit Eramet. Der französische Bergbaukonzern will mit seinem Projekt Ageli im nördlichen Elsass geothermische Energie sowie Lithium fördern.

Der südafrikanische Branchenvertreter Sibanye-Stillwater wiederum zielt mit seinem Keliber-Projekt auf Lithiumhydroxid in Finnland ab. Der belgische Materialkonzern Umicore konnte die EU derweil gleich mit zwei Projekten überzeugen, die beide innovative Recycling-Lösungen rund um das wichtige Metall Germanium beinhalten, bei dem Europa aktuell noch massiv von China abhängig ist.

Vulcan Energy-Aktie schießt hoch

Interessant sind aber vor allem die kleineren Unternehmen, da deren Aktien wesentlich stärker von den einzelnen Projekten abhängig sind und deren Finanzierung aufgrund des (noch) fehlenden Cashflows in der Regel deutlich stärker fremdbestimmt ist.

Beispiel: Vulcan Energy. Das Unternehmen mit operativem Sitz in Karlsruhe will in Süddeutschland – ähnlich wie Eramet in Frankreich – geothermische Energie und Lithium aus Thermalwasser gewinnen. Erstere kann den umliegenden Gemeinden in Form von grünem Strom oder Wärme zur Verfügung gestellt werden, während das Lithium weiterarbeitet und an die europäischen Auto- und Batteriebranche verkauft werden soll.

Die Vulcan-Aktie stieg am letzten Dienstag nach Bekanntgabe der Aufnahme in das EU-Förderprogramm um satte +15 %. Andere, noch kleinere Aktien schossen gar noch stärker nach oben – teilweise um mehr als +25 %.

Mein Fazit für Sie

Die Meldung aus Brüssel zeigt abermals, wie wichtig politische Zusammenhänge für den Rohstoffsektor sind. Die Sicherstellung der Versorgung mit kritischen Metallen ist für die europäischen Staaten inzwischen überlebenswichtig – wegen der wachsenden Bedeutung dieser Rohstoffe für das Funktionieren der Wirtschaft, aber auch angesichts der zunehmenden politischen Blockbildung auf globaler Ebene, in deren Folge langjährige Partnerschaften überdacht werden müssen.

Als Anleger können Sie sich diesen übergeordneten Mega-Trend zunutze machen, indem Sie in interessante Unternehmen investieren, die sich zum Ziel gesetzt haben, die prekäre Rohstoff-Abhängigkeit Europas einzudämmen. Diese Firmen dürfen sich auf üppige staatliche Unterstützung einstellen, was deren Aktien absichert und diesen gleichzeitig hohes langfristiges Renditepotenzial beschert.

Die EU jedenfalls will noch vor dem Sommer ein weiteres Antragsverfahren für strategische Rohstoffprojekte initialisieren.