Platin und Palladium: Würgt Trump die Nachfrage ab?
Für US-Präsident Donald Trump ist es eine Schmach, die es zu ändern gilt: Unterm Strich stammt etwa die Hälfte der in den USA verkauften Autos aus dem Ausland. Vor gut zwei Wochen hatte der Staatschef daher angekündigt, Zölle möglicherweise in Höhe von 25 % auf importierte Fahrzeuge zu erheben. Anfang April will Trump hierzu konkretere Angaben machen.
Hintergrund: Bislang fallen für Pkw-Importe etwa aus der EU in die USA Zölle in Höhe von nur 2,5 % an, während der EU-Zollsatz bei 10 % liegt. Trump sieht daher die USA benachteiligt und will nun seinerseits mit reziproken Zöllen nachziehen.
Betroffen von dem zunehmenden Protektionismus wäre allen voran die deutsche Autoindustrie. Nach Angaben von Global Data stammen rund 80 % der von Volkswagen in den USA verkauften Fahrzeuge aus dem Import – bei Mercedes-Benz sind es demnach 63 % und bei BMW 52 %.
Platin und Palladium: wichtige Grundstoffe der klassischen Autoindustrie
Doch die von Trump offenbar erwogenen Mega-Zölle gegen Autoimporte würden nicht nur internationale Hersteller ins Mark treffen, sondern auch den Rohstoffsektor in Mitleidenschaft ziehen. Beispiel: Platin und Palladium.
Die Metalle sind wichtige Grundstoffe für die Autoindustrie, vor allem zur Herstellung von Abgaskatalysatoren. Platin und Palladium werden genutzt, um schädliche Emissionen aus Fahrzeugen zu reduzieren, indem sie als Katalysatoren fungieren und chemische Reaktionen beschleunigen, die Schadstoffe in weniger schädliche Verbindungen umwandeln. Die Metalle spielen also eine essenzielle Rolle, um Verbrennungsfahrzeuge umweltschonender zu machen, was angesichts der immer strengeren Öko-Regularien auch dringend erforderlich ist.
Klar: Die Elektromobilität soll dem klassischen Verbrenner sukzessive den Rang ablaufen. Doch das wird offenbar weitaus langsamer vonstattengehen als ursprünglich erwartet. Zumal Verbrennungsmotoren gerade in Schwellen- und Entwicklungsländern noch viele Jahrzehnte lang den Transportbereich dominieren dürften.
Hinzu kommt, dass auch die boomenden Hybrid-Autos auf Platin oder Palladium angewiesen sind. Nicht zuletzt spielen die Metalle auch für Wasserstoff-Fahrzeuge und die Wasserelektrolyse (Verfahren zur Herstellung von grünem Wasserstoff) eine wichtige Rolle. Viele Experten hatten deshalb für die kommenden Jahre ursprünglich gar eine steigende Nachfrage nach Platin und Palladium prognostiziert – trotz der Elektromobilität.
Trumps Auto-Zölle gefährden Nachfrage nach Platinmetallen
Doch nun könnten die Trump-Zölle diese Perspektive eintrüben, wie ein Bericht der Nachrichtenagentur Reuters zeigt. Der Analyst Zain Vawda von MarketPulse by OANDA hält es demnach für möglich, dass die globale Platinnachfrage 2025 um 1% (102.000 Unzen) zurückgehen könnte, sollte Trump die erwähnten Auto-Zölle tatsächlich durchsetzen. Beim Palladium sieht Vawda gar einen möglichen Rückgang von 4 % (364.000 Unzen).
Verantwortlich dafür wären die konjunkturellen Auswirkungen der Handelsbeschränkungen. Vawda zufolge würden die Auto-Zölle die Inflation in den USA anheizen und gleichzeitig dafür sorgen, dass die Notenbank FED die Zinssätze länger auf einem relativ hohen Niveau halten müsste. Beide Faktoren würden das Wirtschaftswachstum verlangsamen und letztendlich die Nachfrage nach Autos belasten. Das würde wiederum den Bedarf an Platin und Palladium eingrenzen.
Eine andere Analystin, Wilma Swarts vom Beratungsunternehmen Metals Focus, hält für 2025 einen Nachfragerückgang bei den Platingruppenmetallen um rund 150.000 Unzen für möglich. Swarts erwartet demnach, dass die Fahrzeugverkäufe in den USA infolge der Zölle deutlich einbrechen würden, wovon hauptsächlich die Verbrennerautos betroffen wären.
Mein Fazit für Sie: Rettungsanker Gold
Eigentlich galten die Platinmetalle stets als Profiteure der Trump-Politik. Schließlich hat der US-Präsident seine Abneigung gegenüber Elektroautos lautstark bekundet und inzwischen die E-Auto-Ziele der USA eingedampft. Davon würden indirekt die klassischen Verbrennerfahrzeuge und somit auch Platin und Palladium profitieren.
Doch die nun angepeilten Zölle untergraben diese eigentlich lukrative Perspektive. Trump riskiert mit seinem Protektionismus eine merkliche Abschwächung der Autokonjunktur in den USA, was die Rohstoffnachfrage in Mitleidenschaft ziehen würde.
Als Anleger sollten Sie das Thema definitiv auf dem Schirm behalten. Wollen Sie sich gegen entsprechende Risiken absichern, können Sie den Gold-Anteil in Ihrem Rohstoff-Depot erhöhen. Zuletzt hatte sich abermals gezeigt, wie wichtig das Edelmetall als sicherer Hafen für viele Kapitalmarkt-Akteure ist. Mit Blick auf die weiterhin konfrontative Handels- und Sicherheitspolitik Trumps dürfte das Gewinnpotenzial rund um Gold meiner Meinung nach längst noch nicht erschöpft sein.