Was tun im Zoll-Streit? Orientieren Sie sich an Buffett

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Zynischer geht es kaum. Donald Trump belastet den Welthandel mit massiven Importzöllen und nennt das Ganze auch noch „Liberation Day“. Der Name „Globaler Geld- und Wert-Vernichtungstag“ hätte besser gepasst.

Ohne jeden ökonomischen Sachverstand vertritt er die Überzeugung, er würde damit die US-amerikanische Wirtschaft von der unfairen Konkurrenz ausländischer Importe befreien. Wer nur halbwegs etwas von weltweiten Handelsbeziehungen versteht, sieht das anders. Entsprechend reagieren die Börsen mit tiefroten Zahlen.

Es ist leider unumgänglich: Als Aktionär sehen Sie dieser Tage hohe Kursverluste. Trotzdem gibt es eine konstruktive und kluge Art, mit dem aktuellen Geschehen umzugehen. Erstens: Verschaffen Sie sich einen Überblick darüber, was Zölle bewirken. Und zweitens: Handeln Sie gerade jetzt. Denn von bestimmten Dingen sollten Sie sich als Anleger am „Liberation Day“ wirklich befreien.

Hintergrund: Warum Zölle niemandem nutzen

Zölle sind Steuern auf importierte Waren. Sie sollen oft heimische Produzenten vor ausländischer Konkurrenz schützen und dem Staat Einnahmen verschaffen. Allerdings haben sie massive negative Auswirkungen – selbst für die Länder, die sie einführen:

  1. Höhere Preise für Verbraucher: Importzölle verteuern ausländische Waren, wodurch inländische Verbraucher mehr für Produkte zahlen müssen. Das führt zu einer geringeren Kaufkraft und einem niedrigeren Lebensstandard. Die Verbraucher, auch in den USA, werden das bald schmerzlich spüren.
  2. Effizienzverluste und Wettbewerbs-Verzerrungen: Unternehmen, die durch Zölle geschützt werden, haben weniger Anreize, effizient zu produzieren oder innovativ zu sein. Das führt langfristig zu einer schwächeren Wirtschafts-Entwicklung.
  3. Gegenzölle: Oft reagieren betroffene Länder mit eigenen Zöllen auf Exporte des Landes, das zuerst Zölle eingeführt hat. Das kann zu einem Handelskrieg eskalieren, bei dem beide Seiten verlieren, weil die weltweiten Warenströme nicht mehr ungehindert fließen und der Austausch von Innovationen behindert wird.
  4. Schaden für exportorientierte Unternehmen: Länder, die Zölle erheben, riskieren, dass ihre eigenen Exporte sinken, weil ausländische Märkte weniger offen für ihre Waren sind. Das trifft besonders Branchen, die stark vom Export abhängig sind. Denken Sie dabei nicht nur an physische Exporte, sondern beispielsweise auch an Software-Lizenzen. Das Silicon Valley wird sich nicht freuen, wenn etwa die EU mit Gegenzöllen reagiert.
  5. Ineffiziente Arbeitsteilung: Zölle verhindern, dass sich Länder auf die Produktion von Gütern spezialisieren, die ihnen einen Vorteil bringen (etwa Computerchips und IT-Hardware in Taiwan). Das führt zu weniger Effizienz und wirtschaftlichem Wachstum, auch weil wichtige Bauteile bei der heimischen Produktion des Landes fehlen, das die Zölle eingeführt hat.
  6. Globale Lieferketten werden gestört: Moderne Produktionen sind international vernetzt. Wenn Zölle eingeführt werden, verteuern sich Vorprodukte, was Produktionskosten für Unternehmen erhöht und die gesamte Wirtschaft belastet.

Obwohl Zölle vielleicht kurzfristig einzelne Branchen schützen können, schaden sie langfristig der gesamten Wirtschaft – sogar in dem Land, das sie verhängt. Das sind zunächst keine guten Aussichten. Aber warten wir erstmal ab, wie Donald Trump reagiert, wenn nicht allein die Wirtschaft protestiert, sondern auch die Verbraucher, die sich keine Medikamente mehr leisten können und für die von der Kleidung bis zu Nahrungsmitteln und Autos alles erheblich teurer wird.

Wie Sie als Anleger richtig reagieren

Aktuell herrscht große Unsicherheit. Keiner weiß, wie sich die Wirtschaft kurzfristig entwickelt und wie viel Porzellan Trump noch zerschlägt. Als Anleger sollten Sie sich aber von solchen Ängsten befreien. Jetzt ist nicht die richtige Zeit, sich von soliden Investments zu trennen. Im Gegenteil! Nutzen Sie Kursrückgänge, um Aktien zum Schnäppchenpreis einzukaufen.

Denn das zeigen frühere Erfahrungen: Für Anleger war es nie von Vorteil, sich in unsicheren Zeiten von der Börse zurückzuziehen. Ich werfe dann immer einen Blick auf meine Aktien-Wunschliste: Titel, die ich gerne zusätzlich im Depot hätte oder deren Bestand ich aufstocken möchte, kann ich gerade dann günstig ordern. Das sollten auch Sie tun, und vom Panikmodus wieder auf rationales Handeln umstellen.

Wir traden nicht in aller Hektik, sondern investieren klug, mit Augenmaß und vor allem langfristig. Das hat in der Vergangenheit stets die besten Renditen gebracht, wie unser Börsen-Vorbild Warren Buffett seit sechs Jahrzehnten erfolgreich vormacht. Am 3. Mai besuche ich wieder die Hauptversammlung seiner Beteiligungsgesellschaft Berkshire Hathaway in Omaha. Die wichtigsten Erkenntnisse erfahren Sie dann hier im Schlussgong.