Drägerwerk: Lübecker Traditionsunternehmen mit neuem Schwung
Seit mehr als 130 Jahren steht der Name Drägerwerk für Innovationen in der Medizin- und Sicherheitstechnik. Doch wie steht es heute um das Lübecker Unternehmen? In Zeiten geopolitischer Unsicherheiten und wachsender Nachfrage nach Sicherheitstechnik könnte sich eine interessante Investmentchance ergeben. Ein Blick auf Geschäftsmodell, Marktposition, Zahlen und den Ausblick zeigt, ob Drägerwerk für Anleger eine lohnende Wette ist.
Ein doppeltes Standbein: Medizin- und Sicherheitstechnik
Drägerwerk baut auf zwei zentrale Geschäftsbereiche: Medizintechnik und Sicherheitstechnik. Im Bereich Medizintechnik stellt das Unternehmen Beatmungsgeräte, Narkosemaschinen und Patientenmonitoring-Systeme her – Produkte, die in Krankenhäusern weltweit essenziell sind. Besonders während der Pandemie boomte das Geschäft mit Beatmungsgeräten, doch dieser Sondereffekt ist mittlerweile verpufft.
Der zweite Pfeiler, die Sicherheitstechnik, umfasst Atemschutzgeräte, Gasmesssysteme und Schutzkleidung. Kunden sind hier Feuerwehren, Industrieunternehmen und zunehmend auch Verteidigungsbehörden. In einer Welt, in der Sicherheitsrisiken wachsen, könnte dieser Bereich zur tragenden Säule für das Unternehmen werden.
Marktposition: Solide, aber mit Herausforderungen
Drägerwerk ist in beiden Sparten ein etablierter Player mit hoher Markenbekanntheit. Im Bereich der Medizintechnik konkurriert das Unternehmen mit Branchengrößen wie Philips, GE Healthcare und Medtronic, die zum Teil über enorme Finanz- Innovationskraft verfügen. Zudem sind Gesundheitsbudgets vieler Staaten unter Druck, was Investitionen in teure Krankenhausausrüstung erschwert. Zuletzt stand dieser Geschäftsbereich für rund 55% der Konzernerlöse.
Im Bereich Sicherheitstechnik sieht es etwas besser aus. Hier bietet Dräger hochwertige und spezialisierte Lösungen an, die es von der breiten Konkurrenz abheben. Zudem nimmt die Bedeutung von Schutztechnologien in Zeiten globaler Spannungen zu, was dem Unternehmen strategische Vorteile verschaffen könnte. In 2024 erwirtschaftete Drägerwerk mit Sicherheitstechnik 45% der gesamten Konzernumsätze.
Die neuesten Zahlen: Gemischte Signale
Die jüngsten Geschäftszahlen zeigen Licht und Schatten: Der Umsatz blieb in 2024 mit 3,37 Milliarden Euro nahezu stabil, verfehlte aber das angepeilte Wachstum von +1% bis +5%. Positiv war hingegen die Gewinnentwicklung. Das Ergebnis vor Steuern (EBIT) um 16,8% auf 194 Millionen Euro. Die EBIT-Marge verbesserte sich entsprechend von 4,9% auf 5,8%, was über den eigenen Erwartungen lag.
Für das Jahr 2025 erwartet Drägerwerk ein moderates Wachstum mit einem Umsatzanstieg von 1 bis 5% und eine EBIT-Marge zwischen 3,5% und 6,5%. Die Dividende soll deutlich um 23 Cent auf 2,03 Euro je Vorzugsaktie und 1,97 Euro je Stammaktie angehoben werden.
Vom Verteidigungsboom profitieren?
Ein spannender Aspekt für Investoren ist die zunehmende Bedeutung der Verteidigungsindustrie. Viele Staaten erhöhen ihre Militärausgaben, was auch die Nachfrage nach Sicherheitsausrüstung in die Höhe treibt. Drägerwerk könnte hier eine wachsende Rolle spielen, insbesondere mit seinen Schutz- und Gasmesssystemen.
Firmenchef Stefan Dräger geht von einer Verdreifachung des Umsatzes der mit Verteidigung im Zusammenhang stehenden Produktgruppen bis zum Ende des Jahrzehnts aus. Dann könnten die Produkte für 300 Millionen Euro Umsatz generieren.
Noch ist das Unternehmen kein klassischer „Rüstungstitel“, doch die Sicherheitsnachfrage aus staatlichen Stellen könnte sich als wachsender Umsatztreiber erweisen. Für Investoren stellt sich daher die Frage: Ist Drägerwerk einer der versteckten Gewinner der neuen geopolitischen Realitäten?
Fazit: Spannendes Unternehmen mit Fragezeichen
Drägerwerk bleibt ein traditionsreiches, solides Unternehmen mit starker Technologie. Während die Medizintechnik herausfordernd bleibt, bietet die Sicherheitstechnik Potenzial. Wer langfristig an steigende Sicherheitsbudgets glaubt, sollte das Unternehmen auf dem Radar haben. Die Anleger verteilen bereits Vorschusslorbeeren. Im aktuellen Börsenjahr kletterte die Aktie bereits um 47% nach oben.