CoreWeave-IPO: Raketenstart mit angezogener Handbremse
Es war einmal im Jahr 2017, als drei visionäre Gründer beschlossen, im wilden Westen des Krypto-Minings ihr Glück zu versuchen. Sie nannten ihr Unternehmen CoreWeave und stürzten sich voller Elan in die Schürfung digitaler Münzen. Doch wie es im Märchen oft der Fall ist, hielt das Glück nicht ewig: Der Bitcoin-Crash von 2018 zwang das Trio, neue Wege zu beschreiten. Mit einem klugen Schachzug verwandelten sie ihre ungenutzten Server in eine Goldgrube für künstliche Intelligenz und boten fortan Rechenleistung für anspruchsvolle KI-Anwendungen an.
Geschäftsmodell: Rechenpower für die KI-Revolution
CoreWeave spezialisierte sich auf die Bereitstellung von Cloud-Infrastrukturen, die speziell für rechenintensive KI-Workloads optimiert sind. Mit einer beeindruckenden Armada von über 250.000 Nvidia-Grafikprozessoren in 32 Rechenzentren weltweit avancierte das Unternehmen zum bevorzugten Partner für Tech-Giganten wie Microsoft, Meta und IBM. Der Clou: Statt eigene teure Hardware anzuschaffen, konnten Kunden die leistungsstarken GPUs von CoreWeave flexibel mieten – ein Modell, das in der schnelllebigen Tech-Welt auf große Resonanz stieß.
Marktposition: David unter den Goliaths
In einem Markt, der von Titanen wie Amazon Web Services und Microsoft Azure dominiert wird, schaffte es CoreWeave, sich als agiler David zu positionieren. Durch den Fokus auf spezialisierte KI-Workloads und enge Partnerschaften, allen voran mit Nvidia, konnte das Unternehmen eine Nische besetzen, die von den großen Cloud-Anbietern oft übersehen wurde. Diese Strategie zahlte sich aus: 2024 erzielte CoreWeave einen Umsatz von 1,9 Milliarden Dollar – ein beeindruckender Sprung von lediglich 16 Millionen Dollar im Jahr 2022.
Aktuelle Geschäftsentwicklung: Höhenflug mit Turbulenzen
Trotz des rasanten Wachstums war nicht alles eitel Sonnenschein. Das Unternehmen wies im abgelaufenen Geschäftsjahr einen Verlust von 863 Millionen Dollar aus. Bedenklich: Ein erheblicher Teil des Umsatzes stammt von wenigen Großkunden: Microsoft und Nvidia trugen zusammen 77% zum Umsatz bei, wobei allein Microsoft 62% ausmachte. Diese Abhängigkeit von wenigen Kunden stellte ein nicht zu unterschätzendes Risiko dar. Allerdings gelang es CoreWeave kürzlich, einen Fünfjahresvertrag mit OpenAI über 11,9 Milliarden Dollar abzuschließen, der die Position des Unternehmens weiter festigen sollte .
Ein Blick in die Bilanz zeigt derzeit eine hohe Verschuldung. Zuletzt türmte sich ein 8 Milliarden Dollar großer Schuldenberg auf. Außerdem mietet das Unternehmen seine 32 Rechenzentren und einige Geräte, anstatt sie zu besitzen, was zu Verbindlichkeiten aus Operating-Leasingverträgen in Höhe von 2,6 Milliarden Dollar führt.
Der Börsengang: Ein Märchen ohne Happy End?
Mit großen Ambitionen strebte CoreWeave in der zurückliegenden Woche an die Börse. Ursprünglich hoffte man auf Einnahmen zwischen 2,3 und 2,7 Milliarden Dollar bei einem Ausgabepreis von 47 bis 55 Dollar je Aktie . Doch die Realität holte das Unternehmen ein: Letztendlich wurden nur 1,5 Milliarden Dollar zu einem Ausgabepreis von 40 Dollar pro Aktie erzielt .
Die Aktie eröffnete am ersten Handelstag bei 39 Dollar, erreichte ein Hoch von 40,76 Dollar und schloss schließlich wieder bei 40 Dollar . Ein eher ernüchternder Start für ein Unternehmen, das als strahlender Stern am KI-Himmel galt.
Fazit: Ein Weckruf für die KI-Branche
Der Börsengang von CoreWeave dient als mahnendes Beispiel dafür, dass selbst in aufstrebenden Branchen wie der künstlichen Intelligenz nicht alles Gold ist, was glänzt. Trotz beeindruckender Wachstumszahlen und namhafter Partnerschaften bleibt die Abhängigkeit von wenigen Großkunden und die hohe Verschuldung ein Damoklesschwert. Investoren sollten daher nicht nur den Hype, sondern auch die fundamentalen Kennzahlen im Auge behalten.
Für CoreWeave heißt es nun: Ärmel hochkrempeln, das Vertrauen der Anleger zurückgewinnen und beweisen, dass man aus Rückschlägen gestärkt hervorgehen kann. Denn wie heißt es so schön? Nach dem Sturm kommt der Sonnenschein – oder in diesem Fall vielleicht der nächste technologische Durchbruch.