Alzchem-Aktie im Höhenflug
Zuletzt wurden die Aktien deutscher Nebenwerte regelrecht wachgeküsst. Die Diskussionen um ein milliardenschweres Finanzierungspaket für Verteidigung und Infrastruktur hat die Anleger wachgerüttelt und die Aktien kleinerer Firmen in den Fokus gerückt.
Eine Aktie, die unabhängig der jüngsten politischen Entwicklung wie am Schnürchen gezogen läuft, ist Alzchem. Die Papiere des Spezialichemie-Konzerns haben sich auf Zwölfmonatssicht beinahe verdreifacht!
Es ist also an der Zeit, hinter die Kulissen zu schauen und die Gründer der Monsterrally zu erkunden.
Ein Geschäftsmodell mit Spezialeffekt
Alzchem ist kein Chemiekonzern von der Stange. Das Unternehmen aus Trostberg in Bayern hat sich auf Spezialchemikalien spezialisiert, die in verschiedensten Bereichen von der Ernährung bis zur Hightech-Industrie zum Einsatz kommen. Besonders bekannt ist Alzchem für sein Kreatin-Produkt Creapure®, das Sportler weltweit als Nahrungsergänzung nutzen. Doch auch in der Landwirtschaft, der Pharmaindustrie und in Hochleistungsbatterien sind die Produkte gefragt.
Der Clou: Während viele Chemiekonzerne in Massenproduktion und harte Konkurrenz verstrickt sind, setzt Alzchem auf Nischen mit hohen Margen. Ein cleveres Geschäftsmodell, das sich in den Zahlen bemerkbar macht.
Marktposition: Klein, aber oho!
In der Welt der Spezialchemie gibt es Global Player wie BASF oder Evonik. Daneben wirkt Alzchem mit einem Jahresumsatz von rund 554 Millionen Euro fast bescheiden. Doch der Mittelständler spielt in seinen Segmenten eine führende Rolle.
Gerade im Bereich Kreatin ist Alzchem unangefochtener Platzhirsch. Das Produkt Creapure® genießt weltweit einen exzellenten Ruf. Auch bei landwirtschaftlichen Lösungen, wie dem emissionsmindernden Eminex®, hat das Unternehmen eine starke Marktstellung. Wer in diesen Märkten mitmischen will, kommt an Alzchem kaum vorbei – ein echter Burggraben!
Jüngste Geschäftszahlen: Beeindruckende Entwicklung
Im zurückliegenden Geschäftsjahr war Alzchem weiter auf Wachstumskurs: Während der Umsatz um 3% auf 554 Millionen Euro nach oben kletterte, verbesserte sich das Vorsteuerergebnis (EBITDA) deutlich überproportional um 29% auf 105 Millionen Euro. Entsprechend stieg die EBITDA-Marge von 14,9% auf 18,9%.
Auch in 2025 überproportionales Gewinnwachstum
Für das laufende Geschäftsjahr zeigt sich das Unternehmen ebenfalls zuversichtlich und peilt nochmals ein überproportionales Gewinnwachstum an. Wachstum erwartet Firmenchef Andreas Niedermaier bei verschiedenen Produkten, sei es dem Methan- und CO2-Hemmer Eminex oder den Kreatinprodukten. Die Fokussierung auf Spezialchemikalien mit höheren Gewinnmargen soll fortgesetzt werden.
Derweil stellt Niedermaier einen Umsatz von 580 Millionen Euro in Aussicht (+4,7%). Zeitgleich soll das EBITDA auf rund 113 Millionen Euro klettern (+9,5%).
Ausblick: Noch mehr Potenzial im Tank?
Die gute Nachricht für Anleger: Alzchem hat noch längst nicht sein volles Potenzial ausgeschöpft. Das Unternehmen investiert kräftig in den Ausbau der Produktion. Besonders spannend: Die geplante Verdopplung der Kapazitäten für Nitroguanidin, ein Schlüsselprodukt in mehreren Hightech-Anwendungen, unter anderem für das Militär.
Bis 2027 sollen hier zweistellige Millionenerlöse sprudeln. Zudem plant das Unternehmen einen großen Zukauf in den USA, dessen Finanzierung zu einem großen Teil durch nicht rückzahlbare Subventionen des US-amerikanischen Verteidigungsministeriums gesichert ist. Ebenfalls aussichtsreich ist der wachsende Bedarf an umweltfreundlichen Agrarchemikalien und leistungsstarken Nahrungsergänzungsmitteln.
Kursziele der Analysten übertroffen
Während die langfristigen Aussichten also durchaus positiv sind, hinken die Analysten mit ihren Kurszielen hinterher. Das Konsensus-Kursziel liegt laut der Homepage von Alzchem bei 75,70 Euro und damit deutlich unter dem Schlusskurs von gestern (102,50 Euro).
Bei den durchschnittlichen Gewinnschätzungen von 6,20 Dollar pro Aktie beträgt das aktuelle Kurs-Gewinn-Verhältnis 16 und der Börsenwert liegt bei 1,04 Milliarden Euro.