Adobe-Aktie rauscht nach Zahlen in den Keller

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Mit einem Kursabschlag von beinahe 12% reagierte die Adobe-Aktie gestern in den ersten Handelsstunden auf die Vorlage der Geschäftszahlen. Obwohl die Erwartungen im abgelaufenen Quartal übertroffen wurden, trennten sich die Anleger von den Papieren. Dafür war offenbar die Prognose verantwortlich, die einige Investoren auf dem falschen Fuß erwischt hat.

Adobe– feste Größe in der Softwareindustrie

Aus der Softwareindustrie ist Adobe Systems kaum mehr wegzudenken. Der Konzern bietet Software, mit deren Hilfe Kunden digitale Inhalte erstellen, veröffentlichen und die Wirkung messen können. Zum Angebot gehören Grafik- und Bildbearbeitungsprogramme, Audio- und Videoschnittsysteme und Webanalyse-Tools.

Einige der bekanntesten Produkte sind Photoshop, Acrobat, Flash und Dreamweaver. Die Software von Adobe Systems wird an Hardwarehersteller, Softwareentwickler und Dienstleister sowie an Individualkunden und die Werbeindustrie geliefert.

Langfristig beeindruckende Erfolgsgeschichte

In den vergangenen Jahren ist der Konzern stark gewachsen. Seit 2006 haben sich die Umsätze bis 2024 auf 21,5 Milliarden Dollar (Anmerkung: Geschäftsjahr endet am 30. November) mehr als versechsfacht. Gleichzeitig sind die Gewinne von 506 Millionen Dollar auf 5,56 Milliarden Dollar angestiegen. Weltweit beschäftigt der Konzern inzwischen mehr als 29.000 Mitarbeiter.

Umstellung auf Cloud-Geschäftsmodell sorgt für sprudelnde Gewinne

Seit dem Jahr 2013 ist Adobe sehr erfolgreich auf das cloudbasierte Geschäftsmodell umgestiegen. Das bedeutet, dass die Software nicht mehr verkauft, sondern langfristig vermietet wird. Der Konzern vertreibt also Abonnements an seine Kunden und kann sich über wiederkehrende und langfristig gewinnträchtigere Einnahmen freuen.

Dadurch konnte die Gewinnmarge in den vergangenen Jahren deutlich gesteigert werden. Lag die Gewinnmarge (Nettogewinn in Relation zum Umsatz) in 2014 bei 6,47%, erzielte Adobe im abgelaufenen Geschäftsjahr eine Gewinnspanne von 27%.

Erstes Quartal über den Erwartungen

Im ersten Quartal konnte der Softwarespezialist weiter zulegen. Der Umsatz kletterte um 10,2% auf 5,71 Milliarden Dollar. Die Analystenschätzungen wurden damit nochmals um 50 Millionen Dollar übertroffen. Lassen Sie uns noch einen Blick auf die wichtigsten Geschäftssegmente werfen: Das Segment Digital Media (Creative und Document Cloud, inkl. Photoshop) erzielte einen Umsatz von 4,23 Milliarden Dollar (+11%), die Sparte Digital Experience (Marketing und Analyse Software inkl. Marketo) wies einen Umsatz von 1,41 Milliarden Dollar aus (+10%).

Unter dem Strich erwirtschaftete Adobe einen bereinigten Nettogewinn von 5,08 Dollar pro Aktie. Das lag 13% über dem Vorjahresniveau und 2,2% über den Analystenprognosen.

Prognose sorgt für Enttäuschung

Derweil kämpft der Photoshop-Herausgeber mit einer langsameren Monetarisierung seiner Angebote für Künstliche Intelligenz und sieht sich gleichzeitig einem harten Wettbewerb durch Start-ups ausgesetzt. Für das laufende Geschäftsjahr peilt Adobe einen Jahresumsatz in einer Bandbreite von 23,3 bis 23,55 Milliarden Dollar an. Das bereinigte Ergebnis je Aktie wird mit 20,20 bis 20,50 Dollar erwartet.



Fazit: Die Prognose für das laufende Geschäftsjahr lag nur minimal unter den Analystenprognosen, aber offenbar hatten sich die Anleger auf Grund des verstärkten KI-Einsatzes in den Produkten eine höhere Dynamik gewünscht. Auf Basis der neuen Gewinnschätzungen (20,20 bis 20,50 Dollar je Aktie) wird der Konzern momentan mit dem 19-Fachen Kurs-Gewinn-Verhältnis bewertet. Ob die Anleger dem Softwarekonzern zeitnah eine nachhaltig höhere Bewertung zubilligen, werden erst die kommenden Monate zeigen.