Goldgrube Gleisbau: Vosslohs Milliarden-Chance

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Während im Bundestag die Entscheidung über das 500-Milliarden-EUR-Sondervermögen für Deutschlands marode Infrastruktur fiel, richtet sich der Blick meist auf die bekannten Baukonzerne wie Heidelberg Materials. Doch abseits des Rampenlichts wartet Vossloh – Weltmarktführer für Schienenbefestigungssysteme – darauf, als heimlicher Gewinner dieser historischen Investition entdeckt zu werden. Die Analysen sprechen für sich: Deutschlands Infrastruktur benötigt bis 2035 Investitionen von etwa einer Billion EUR. Das nun geplante Sondervermögen mit seiner zwölfjährigen Laufzeit könnte zumindest die Hälfte davon abdecken und insbesondere dem seit Jahrzehnten unterfinanzierten Schienennetz neues Leben einhauchen.

Innovative Lösungen für ein altes Problem

Längst ist Vossloh mehr als nur ein Spezialist für Schienenbefestigungen. Mit der revolutionären M-Spannklemmengeneration hat das Unternehmen aus Werdohl eine Antwort auf die wachsenden Belastungen moderner Zugverkehre gefunden. Die nach außen gebogenen Federarme optimieren nicht nur die Kontaktfläche zum Schienenfuß, sondern verbessern durch grünen Stahl und eine spezielle Mikro-Stahllegierung auch den CO2-Fußabdruck erheblich. Von Hochgeschwindigkeitsstrecken bis zu Schwerlastanwendungen – die M-Generation deckt alle Anforderungen mit nur drei Subtypen ab: M3 für Hochgeschwindigkeitsstrecken auf fester Fahrbahn, M7 für konventionelle Strecken und M9 für extreme Schwerlastanwendungen. Ein Paradebeispiel für den praktischen Einsatz dieser Innovation ist der neue Haltepunkt in Krakau, wo die M3-Spannklemmen nicht nur die Eigenfrequenz und Gleislagestabilität erhöhen, sondern auch Beförderungskosten senken und den Umweltfußabdruck reduzieren.

Von der Weiche bis zur Kunststoffschwelle

Das Produktportfolio von Vossloh umfasst inzwischen das komplette „System Weiche“ aus einer Hand. Was früher ein einfacher Mechanismus zum Vereinen oder Trennen zweier Gleise war, ist heute ein hochkomplexes System, das auf unterschiedliche Schienenprofile, Spurbreiten und Gleisgeometrien zugeschnitten werden muss. Jede Weiche aus dem Hause Vossloh ist eine maßgeschneiderte Lösung für spezifische Anforderungen – sei es in arktischer Kälte oder tropischer Hitze, für gemächliche Güterzüge oder Hochgeschwindigkeitszüge mit über 560 km/h. Ergänzt wird das Angebot durch den umweltfreundlichen „Engineered Polymer Sleeper“, der als kreosotfreie Alternative zu herkömmlichen Holzschwellen entwickelt wurde und die Vorzüge von Holz- und bisherigen Kunststoffschwellen in einem Produkt vereint. Die Sicherheit wird durch ein breites Spektrum an Signaltechnik und automatischen Sicherheitsanlagen abgerundet, die von Weichenantrieben über Verschlüsse bis hin zu Verkehrserkennungssystemen reichen.

Strategisches Wachstum durch Übernahmen

Mit der geplanten Übernahme des französischen Betonschwellenherstellers Sateba für 450 Mio. EUR positioniert sich Vossloh, um zum weltweiten Marktführer für Betonschwellen aufzusteigen. Sateba gehört zu den führenden europäischen Herstellern in diesem Segment und verfügt über 19 Produktionsstandorte in zehn Ländern. Durch die Integration in den Geschäftsbereich Tie Technologies soll ein Jahresumsatz von 500 Mio. EUR erreicht werden. Die endgültige Entscheidung der Aufsichtsbehörden wird im Frühjahr 2025 erwartet und könnte dem Konzern zusätzlichen Schub verleihen. Diese strategische Erweiterung ergänzt perfekt das bestehende Produktportfolio und stärkt Vosslohs Position als Komplettanbieter für Schieneninfrastruktur.

Vielseitigkeit als Erfolgsgarant

Die Komponenten und Lösungen von Vossloh bewähren sich in allen Bereichen des Schienenverkehrs. Für konventionelle Strecken bieten die robusten Spannklemmen Stabilität bei Achslasten bis zu 26 Tonnen. Bei der Modernisierung alter Vollbahnstrecken reduzieren die nachrüstbaren Befestigungssysteme Gleisschwingungen und Erschütterungen, was Verschleiß und Wartungsaufwand minimiert. Im Hochgeschwindigkeitssektor, wo die physikalischen Belastungen exponentiell zunehmen, sorgen die optimierten Spannklemmen und witterungsresistenten Komponenten für Sicherheit und Langlebigkeit – ein Beispiel ist die 1.318 Kilometer lange Strecke von Peking nach Shanghai, die mit über 300 km/h befahren wird. Auch im wachsenden Güterverkehr setzt Vossloh Maßstäbe, indem vermehrt auf innovative Kunststoffkomponenten für Schwerlaststrecken gesetzt wird, die eine hohe Wirtschaftlichkeit garantieren.

Zahlen, die für sich sprechen

Trotz eines leichten Umsatzrückgangs im dritten Quartal 2024 konnte Vossloh seinen Gewinn um beeindruckende 35,5 % steigern. Alle Geschäftsbereiche erzielten zweistellige EBIT-Margen, und der Free Cashflow vervierfachte sich nahezu auf 38,9 Mio. EUR gegenüber 10,5 Mio. EUR im Vorjahresquartal. Der Umsatzrückgang wurde hauptsächlich auf schwächere Geschäfte in China und Mexiko zurückgeführt, wobei das Unternehmen zuversichtlich ist, diese Lücke im vierten Quartal 2024 zu schließen. Für das Gesamtjahr 2024 prognostiziert Vossloh ein EBIT zwischen 100 und 115 Mio. EUR – deutlich mehr als die 98,5 Mio. EUR des Vorjahres. Mit einem KGV von 30,2 und einer Dividendenrendite von 1,6 % ist die Aktie moderat bewertet und bietet angesichts der positiven Entwicklungen durchaus Potenzial.

Die Weichen sind gestellt

Vosslohs innovative Produkte sind für den modernen Schienenverkehr nahezu unverzichtbar. Sollte das Sondervermögen wie geplant verabschiedet werden, dürfte das Unternehmen aus dem Schatten treten und endlich die Aufmerksamkeit erhalten, die es verdient hat. Der Bedarf für die Sanierung von Bahnstrecken, die Modernisierung des Bestandsnetzes und die Digitalisierung umfasst bis 2034 über 80 Mrd. EUR – ein beträchtlicher Teil davon könnte in Produkte und Lösungen von Vossloh fließen. Kluge Investoren könnten von dieser Entwicklung erheblich profitieren, indem sie frühzeitig auf den verborgenen Champion der Schienen setzen, bevor er ins Rampenlicht der breiten Öffentlichkeit rückt.

Quelle: https://basischarts.aktienscreener.com/